„Über Alltägliches reden – wie macht man das?“ -:) :: Zum regionalen Sprachgebrauch :: Deutsch in Deutschland, Teil I

Quelle: Philologisch-historische Fakultät Germanistik der Universität Augsburg, 2001 / „Über Alltägliches reden“ – wie macht man das in Deutschland? Diese Frage ist nur eine von vielen, die die Philologisch-historische Fakultät Germanistik der Universität Augsburg durch mehrere Umfragen und eine Landkarte zum Sprachgebrauch in Deutschland beantwortet. / f7_08b / über Alltägliches reden (Frage 8b) /

„Im Rahmen des Seminars „Umgangssprache“ am Institut I der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (Wintersemester 2001/2002) entstand die Idee, in einer eigenen Umfrage einen kleinen Teil des regionalen Wortschatzes neu zu erheben. Dazu nutzten wir die Möglichkeiten des Internets.(…) Für die Karte ‘über Alltägliches reden’ wurde folgender situativer Kontext vorgegeben: „Wie sagt man bei Ihnen, wenn zwei oder mehr Personen – auf der Straße, im Büro etc. – zusammenstehen und sich über Alltägliches (neutral, ohne schlecht über andere zu reden o.ä.) unterhalten?“

Am weitesten verbreitet sind die – auch lautlich ähnlichen (und lautmalerischen) – Ausdrücke tratschen, quatschen und ratschen. Tratschen ist fast überall im Sprachgebiet gebräuchlich – außer da, wo man ratschen, klönen oder schnacken sagt –, (nur) im Osten Österreichs (Wien, Niederösterreich, Burgenland und Teile der Steiermark) ist es eindeutig das dominierende Wort. Ratschen ist der typische Ausdruck in Bayern (bzw. auch in unmittelbar angrenzenden Gebieten), Österreich (mit Ausnahme des Ostens) und Südtirol. In der Mitte des Sprachgebiets (vom der Maas bis zur Oder) stehen quatschen und tratschen nebeneinander. In den nördlichsten deutschen Bundesländern konkurrieren die Wörter klönen oder schnacken, die beide aus dem Niederdeutschen stammen (Kluge, 451, Pfeifer, 1227). Im Saarland, in Schwaben, in der Nordschweiz sowie in einigen Gegenden Mitteldeutschlands sind (auch) schwatzen oder schwätzen üblich, auch dies wohl ein ursprünglich lautmalerischer Ausdruck (Pfeifer, 1257), ebenso wie babbeln, das typisch rheinfränkisch-südfränkisch zu sein scheint, und plaudern (Pfeifer, 1018f.), das in vielen Teilen der Schweiz verbreitet ist, aber auch andernorts gemeldet wird (z. B. aus der Eifel, aus Franken und aus Sachsen-Anhalt).
Unsere Karte lässt sich mit der WDU-Karte „sich unterhalten (zwanglos, unter Nachbarn)“ vergleichen (WDU 3-9). Auf dieser ist etwa klönen noch sehr viel stärker im Norden Ostdeutschlands verbreitet. Auch scheinen danach in den 1970er/1980er Jahren die Formen schwatzen oder schwätzen noch an mehr Orten im (Süd-)Westen üblich gewesen zu sein. In der WDU-Karte verzeichnete kleinräumige Varianten wie wafen (Oberfranken), gatschen (Niederösterreich) oder schnör(r)en (Schweiz) tauchen auf unserer Karte nicht mehr auf.“ Quelle: Uni Augsburg, Philologisch-historische Fakultät Germanistik

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