“Rüstungskontrolle hat somit Deutschland nicht geschadet” – Hans-Joachim Schmidt (HSFK/PRIF) erklärt die Hintergründe der nordkoreanischen Atomoffensive, März 2013 / III :: 1000news.de ::

Quelle: 1000news.de / Dr. Hans-Joachim Schmidt (HSFK) / Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK/PRIF) / #Interview #Deutschland / #Nordkorea #USA #Atomwaffen #Friedensforschung #Rüstungskontrolle #Friedensvertrag / 30.3.2013 /

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Zum Thema Atommacht Nordkorea hat die Redaktion von 1000news.de (Stephan Fröhder)  im März 2013 den langjährigen Mitarbeiter und ausgewiesenen Rüstungsexperten der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK/PRIF) aus Frankfurt am Main, Dr. Hans- Joachim Schmidt (Programmbereich Sicherheits- und Weltordnungspolitik von Staaten) im Online-Interview befragt und am 16.3.2013 und 23.3.2013 die ersten beiden Antworten aus dem Interview veröffentlicht. Hier ist der dritte Teil des Interviews:

1000news.de: 3. Herr Dr. Schmidt, welche Interessen und welchen Einfluss kann Deutschland beim Thema Rüstung, Abrüstung und globale Friedenssicherung aktuell geltend machen?

Dr. Hans-Joachim Schmidt: Deutschland hat ähnlich wie Japan den Aufstieg zu einer der stärksten Wirtschaftsmächte der Erde nach dem verlorenen Weltkrieg vielleicht gerade deswegen geschafft, weil der Aufbau eigener Streitkräfte erst relativ spät begann und er von den Siegermächten bis zum Ende des Ost-West-Konfliktes immer kontrolliert wurde. Rüstungskontrolle hat somit Deutschland nicht geschadet sondern sogar seinen politischen und wirtschaftlichen Wiederaufstieg begünstigt. Aufgrund der Erfahrungen mit zwei Weltkriegen steht Deutschland dem Einsatz seiner Streitkräfte nach wie vor sehr zurückhaltend gegenüber.

Diese Kultur der Zurückhaltung stärkt ebenfalls Rüstungskontrolle. Das erklärt, warum Deutschland sich relativ erfolgreich in der Rüstungskontrolle und Abrüstung engagiert. Da Rüstungskontrolle heute vielfach nur noch multilateral möglich und sinnvoll ist, bedarf es starker Partner, um etwas durchzusetzen und zudem viel Überzeugungsarbeit. Da Außenpolitik nicht mehr nur allein von Regierungen bestimmt wird, wirkt sich hier auch die Existenz weltweit vernetzter Nichtregierungsorganisationen positiv aus und verbessert die Durchsetzung von rüstungskontrollpolitischen Zielen.

In der Vergangenheit hat sich Deutschland meist entweder im Rahmen der EU – etwa bei der Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen – oder in der NATO – etwa bei der konventionellen und nuklearen Abrüstung – für Rüstungskontrolle engagiert. Seit dem Ende des Ost-Westkonfliktes sucht die deutsche Bundesregierung aber auch weltweit zunehmend nach Bündnispartnern für die Ziele ihrer Rüstungskontrollpolitik. Denn für die Durchsetzung seiner rüstungskontrollpolitischen Ziele braucht Deutschland entweder sehr starke Partner wie die USA an seiner Seite, oder/und muss möglichst viele gleichgesinnte Partner dafür finden. Dr. Hans-Joachim Schmidt, wiss. Mitarbeiter der HSFK, 15. März 2013

 

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